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Bildbetrachtung zum Jahreslosungsmotiv 2020

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!
(Markus 9,24)

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Bildbetrachtung:

Diese kurze Jahreslosung kommt mit Macht daher. Unser Begleiter für 2020, der in jedes noch so kleine Reise-Handgepäck passt, er hat es in sich. Ist er doch: ein Schrei (!) aus tiefster Seele. Ein Gebet, das sich den vielen dunklen Stunden und Tagen entwindet, die das Leben bereithält. Ein Ruf, der den ungezählten Momenten entspringt, in denen sich Wollen und Können einen erbitterten Kampf liefern: Wenn sich da einerseits noch sehr wohl so etwas wie Gottvertrauen bei uns finden lässt. Und sei es auch nur ein verschwindend kleiner Rest felsenfesten Kinderglaubens. Wenn dann aber andererseits dieses Überbleibsel zugleich von mächtigen „Zweifel-Stürmen“ hin und her geworfen wird. Wenn das fremde und eigene „Elends-Chaos“ tobt. Wenn heftige „Fragen-Wellen“ sich auftürmen und eine nach der anderen unerbittlich auf unseren Glauben herabbricht. Petrus gleich konnten wir eben noch über das Wasser gehen. Und im selben Augenblick beginnen wir bereits zu sinken und gehen unter.

Ulrike Wilke-Müller hat für ihr Bild zu diesem Bibelwort das sprechende Motiv eines Bootes in rauer See gewählt. Das passt – auch wenn in der Geschichte, der die Jahreslosung im Markusevangelium entnommen ist, gar kein Boot vorkommt. Aber das Geschehen damals spielt ja rund um den See Genezareth. Und auch heute noch ist das Schiff ein Bild nicht nur für die christliche Gemeinde, sondern für das Leben überhaupt, das ebenso schnell mit den Fallwinden des Daseins zu kämpfen hat und ihnen ausgeliefert ist wie die Fischerboote am Galiläischen Meer zu allen Zeiten.

Da treibt es also nun vor unseren Augen, ein Boot wie eine Nussschale. Es hat nicht mal mehr ein Segel. Und wenn doch, dann hängt es in jedem Fall schon tiefer als nur auf Halbmast (kleines blaues Dreieck rechts unten am Mast). Und es ist zum Teil schon heftig zerfetzt (Fortsetzung des blauen Dreiecks auf der linken Seite unten am Mast). Mitgenommen also schaukelt das Schiffchen in aufgewühlt kalter See. Hinter allem strahlt zwar gleißend hell-weißes Licht, das sich zum Teil auch in den Wellen spiegelt. Aber es wird verdeckt von einem aufgekratzten Farbchaos im Vordergrund:

  • Da hängt auch in der Luft eiskalt-fröstelndes Blau.
  • Und Violett lässt sich ebenfalls entdecken (vor allem links). Die Farbe der Leiden und des Schmerzes. Sie umspült auch das Heck des Holzbootes und greift nach diesem betagten, angestoßenen, in die Jahre gekommenen Gefährt.
  • Ebenfalls linkerseits, unmittelbar über dem Heck, sind gelb-braun-rötliche Farbtöne zu sehen, die in einem kleinen Strahl ebenfalls zum Boot hinfließen. Man könnte fast an den Ausbruch eines Vulkans denken, der Glut und Asche spuckt?! Feuer ergießt sich ins Schreckensmeer und macht das Grauen nur noch größer.

Doch es ist ein Hin und Her!

  • Denn zugleich ist da auch noch ein helles Gelb, das warm und freundlich leuchtet. Es umspielt sogar tröstend den Bug des Bootes.
  • Und es vermischt sich mit dem aufspritzenden Blau zu einem fröhlichen Grün, das voller Zuversicht leuchtet und den Horizont rechter Hand dominiert. Hoffnung lässt Kurs halten.
  • Und doch scheint es im selben Moment, als treibe das Boot einfach nur führerlos vor sich hin – mit einem pechschwarzen Boden im Innern. Ein Abbild der abgrundtief bodenlosen Not, in der es sich befindet.

Das Bild zeigt also ein wildes Auf und Ab von „Glauben und Unglauben“. Es bietet dem Betrachter eine Grund-Erfahrung dar, wie sie sich im wahren Leben auf konfuse, verwirrende, kräftezehrende Weise immer wieder machen lässt. Nämlich so, dass beides oft nah beieinander ist:

Leiden, Schmerz und Fragen, die sich groß machen und alles andere zu verdrängen drohen. Und daneben zugleich Hoffnung, Trost, Zuversicht und Gottvertrauen, die aufflammen und nicht klein beigeben wollen. Die aufkeimen, aber doch kaum Kraft zum Wachsen haben.

Die Formen und Striche im unruhig dunkel-hellen Farbenmeer, das Dreiviertel des Bildes füllt, sie laden zum weiteren Entdecken und Fantasieren ein – ungleich mehr als auf früheren Bildern von Ulrike Wilke-Müller. Doch auch dort lässt sich beides finden:

  • Scheinbar fröhliche Smileys oben rechts im Licht (Punkt, Punkt, Komma, Strich). Die Freude der Erlösten, den Engeln Gottes gleich?! (Ausschnitt A)
  • Zugleich aber auch unten links die verzweifelten Gesichter der ohnmächtig vom Unwetter Durchgeschüttelten; derer, die „Not-Geister“ und „Verzweiflungs-Dämonen“ vor sich hertreiben. (Ausschnitt B)
  • Und: Sitzt da gar ein Hahn auf dem Quermast – als erneute Erinnerung an Petrus, der meinte einen so großen Glauben zu haben, und dann doch kläglich scheiterte, als er Jesus verleugnete?! (Ausschnitt C)

Es bleibt ein „Hin und Her“, ein „Auf und ab“!

Doch: Wie können Bibelwort und Bild uns helfen?! Welchen Ausweg halten sie für uns bereit?! Welchen Anker werfen sie uns zu? Welche Hilfe machen sie uns groß?

Ich denke, es gibt immer zwei Möglichkeiten. Das leere Boot weist uns darauf hin! Wenn uns das Leben aus der Bahn wirft. Wenn der Glaube schwer wird. Wenn es uns gleichsam über Bord spült. Dann können wir Gott und uns aufgeben. Den Kopf unter Wasser (Ausschnitt D), dem sicheren Untergang geweiht. Wir können allem Glauben den Abschied geben und alle Hoffnung fahren lassen.

Oder wir machen es wie der verzweifelte Mensch, von dem uns in Markus 9 berichtet wird:

  • Er wendet sich voller Vertrauen an DEN, dessen Zeichen das ganze Bild dominiert und aufteilt – der Kreuzesmast, der nach oben im Licht endet, steht in der Mitte.
  • Er wendet sich an DEN, der unscheinbar, klein und kaum erkennbar dort am Kreuz hängt (als Sterbender und doch zugleich als Sieger). An DEN, der die Macht hat, alles hell zu machen und das Blatt zu wenden – weil er das Licht der Welt ist, das keine Finsternis vertreibt. (Ausschnitt E)
  • Er wendet sich an DEN, der Wind und Wellen gebieten kann, dass sie verstummen und klein beigeben müssen, sodass Friede einkehrt: Jesu Gesicht, das sich wie durch einen Nebel in der gelb-grünen Hoffnungsgischt rechts über dem Boot entdecken lässt – das ist das größte Geschenk, das das Bild mir persönlich macht. (Ausschnitt F) Seine gebietende Geste tröstet, wie er den Zeigefinger vor die Lippen hält. Aller Unglaube und alle Unruhe müssen weichen.

Wir können uns den Schrei aus Markus 9, 24 also einfach nehmen und zu unserem Gebet machen – in aller Not, allem Zweifel und allem uns bedrängenden Unglauben. Das ist viel lohnender, als sich wegreißen und unterspülen zu lassen. Denn: Dieser eindringliche Ruf – er ist bewährt. DER, dem diese Bitte gilt, Jesus, der Sohn Gottes, ER (er)hört und hilft immer noch! Und ER kann und will auch uns aus unserer „Unglaubens-Not“ helfen und (er)retten – ganz so, wie er den Petrus aus dem tobenden Meer herausgezogen hat.

So wünsche ich uns ein gesegnetes 2020 mit dem schönen Bild von Ulrike Wilke-Müller vor Augen. Einem Bild, das immer wieder einlädt, es zu betrachten und Neues an ihm zu entdecken. Und das uns stets hinweist auf die schöne, kräftige Jahreslosung, die nachzubeten sich lohnt. Wer so ruft, dessen Schreien wird Gottes Ohr gewiss erreichen. Wer so ruft, dem wird Hoffnung am Horizont aufleuchten. Ein solcher Mensch lebt dem sicheren Ufer entgegen, das im golden warmen Sonnenlicht wartet.

Das Boot ist leer. Steigen wir ein. Bleiben wir an Bord. Und rufen wir getrost in aller Not zu Jesus:

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

(Bildbetrachtung von Pastor Helge Dittmer aus Kiel,
Quelle: www.GemeindebriefHelfer.de)


Diese Bildbetrachtung darf für kirchliche Zwecke und zum Abdruck in Ihrem Gemeindebrief unter Angabe der Quelle verwendet werden.

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Jahreslosung 2020_Bildbetrachtung

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