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Bildbetrachtung zum Jahreslosungsmotiv 2019

Suche den Frieden und jage ihm nach.
(Psalm 34, 15)

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Bildbetrachtung:

Ein neues Jahr. Ein neues Gotteswort als Begleiter. Ein neues Bild dazu vor Augen. Die ersten beiden Gedanken, die mir spontan dazu kommen sind:
* Ziemlich eintönige Sache diesmal – was das Bild betrifft. Nicht der schlechteste Farbton, gewiss. Dieses helle, warme, unterschiedlich schattierte Gelb ist schön. Aber nicht besonders abwechslungsreich.
* Und: Ziemlich eigenartige Auswahl – was den Losungsvers angeht. Da findet sich so viel Schönes in Psalm 34: Ermutigendes: Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. (Vers 2) / Einladendes: Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! (Vers 9) / Tröstliches: Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. (Vers 19) – Der bewusst gewählte Halbvers 15b (die Jahreslosungen werden im Gegensatz zu den Tageslosungen ja gerade nicht „ausgelost“, sondern durch Abstimmung festgelegt) sticht aus dieser Fülle nicht unbedingt besonders heraus. Eine eigenartige Wahl.

Aber Gotteswort und Bild so schnell abfertigen und beiseitelegen?! Nein. Das geht nicht. So verweile ich zunächst beim Psalm und stoße kurz vor der Losung auf einen Aufruf und eine interessante Frage. Da heißt es: Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu! … Wer ist´s, der Leben begehrt und gerne gute Tage hätte? (Verse 12 + 13) Tja, wer will das wohl nicht? Das möchte doch wohl jeder gerne: Leben und gute Tage haben! Und hier gibt´s also eine Antwort? Ja! Ich entdecke: In den Versen 14 und 15 wird sie gegeben. Und die Worte der Jahreslosung am Ende bilden ihren Kern, fassen es knapp zusammen, bündeln es, wie in einem Brennglas, wenn sie sagen: Suche Frieden und jage ihm nach.

Da wird uns also ein „Wegweiser zum Leben“ mit auf den Weg ins neue Jahr gegeben. Da soll uns geholfen werden, dass unser Leben „eine runde Sache“ wird, dass Dinge ins Gleichgewicht kommen. Und auf einmal bekommt der goldene Kreis auf dem Bild von Ulrike Willke-Müller seinen tieferen Sinn. Und die ruhenden, unaufgeregten Hände strahlen tiefe Gelassenheit aus. Ja: So in der Balance ließe sich das Leben leben. Da wären die Tage wahrlich gut. Aber: Wem geht es so?

Diesen tiefen, umfassenden, runden Frieden mit Gott und der Welt, den die hebräische Bibel mit dem schönen Wort „Shalom“ bezeichnet, den muss man doch wirklich immer wieder mühsam suchen, wie mit einer Lupe. Soll der Kreis auch daran erinnern? – Oder bildet dieses „Rund“ auf dem Bild das zweite Verb des Losungswortes ab, das mir so gar nicht behagt. Das auf den ersten Blick überhaupt nicht mit dem Frieden zu vereinbaren scheint: „Jagen“. Wenn jemand „aufs Korn genommen“ wird, wie durch ein Zielfernrohr fixiert. Wenn einer in die Enge getrieben wird, um ihn zur Strecke zu bringen. Das ist doch nicht schön. Bei solchem „Jagen“, stirbt in der Regel jemand. Und ist es ein Mensch, dann liegt er am Ende mit ruhenden Händen im Sarg. Nein. So will, so kann und so soll ich dieses Wort nicht (miss)verstehen.

Ulrike Willke-Müller zeigt uns das auch, indem jegliche Hast, jegliche Traurigkeit, jeglicher unschöne Farbton ihrem Bild fehlt. Gewiss: Der Friede, um den es geht, ist stets gefährdet (die „dreckigen“ Eintrübungen des goldenen Runds machen das deutlich. Für diesen Frieden ist immer wieder auf Blut vergossen worden (Rot findet sich reichlich im Kreis). Aber: Finden werden wir diesen Frieden nicht in uns und auch nicht einfach hier oder dort, sondern nur bei einem:

das weiße, helle Kreuz in der Mitte des Kreises macht es deutlich. In Jesus finden wir Frieden, der höher ist als alle Vernunft. Von Gott her, von oben ist er in die Welt gekommen. In Jesus kam der Himmel auf die Erde. Und von seinem Blutvergießen am Kreuz und seiner Auferstehung her, breitet sich der wahre Frieden aus: Oben links ist das Bild am hellsten. Dort ist der Glanz vollkommen ungetrübt. Und vom Himmel her ergießt sich das Licht Gottes, das alle Finsternis vertreibt, in unser Leben und in unsere Mitte aus. Wie in ein Gefäß, das gefüllt sein will. Gottes Wort bringt es anderer Stelle auf den Punkt, dass hier der wahre Friede zu finden ist, wenn es sagt: der Name des Erlösers ist Friede-Fürst (Jesaja 9, 5). Und wenn es bezeugt: ER, Christus, ist unser Friede! (Epheser 2, 14).

So könnten wir biblisch verstanden die Jahreslosung im Grunde auch wiedergeben mit: Suche Christus und jage IHM nach. Dann wirst Du Leben und gute Tage haben. Leben im Frieden mit Gott, der auch bleibt, wenn ich meine Augen schließen muss. Leben im Frieden mit Gott, der dann auch erkennbar Gestalt gewinnen wird, in meinem Leben, vom gekreuzigten und auferstandenen Gottessohn her: Ich schaue auf den Raum zwischen den beiden Händen. Da entdecke ich die Verheißung, dass etwas werden wird. Klein und unscheinbar vielleicht im Beginn, einem Embryo, einem Samenkorn gleich. Und doch wird da etwas wachsen. Doch wird mein Leben mehr und mehr mit Frieden gefüllt werden, wie ein Gefäß, in das Wasser strömt. Jesus schenkt diesen Frieden, der sich auch in den Worten Bahn bricht, die über unsere Lippen kommen. Jesus schenkt Frieden, den wir ganz tatkräftig weitergeben können. Er hilft uns dazu, was der Psalm sagt: dass wir unsere Zunge vor Bösem behüten und unsere Lippen, dass sie keinen Trug reden: dass wir ablassen vom Bösen und Gutes tun. (Psalm 34, 14+15a) Bitten wir ihn nur darum. Sind die Hände nicht gefaltet? Suchen wir Jesu Hilfe. Bleiben wir dran und jagen wir ihr nach. Eifrig. Zielstrebig. Es wird nicht vergeblich sein.

Ich beginne zu staunen: So eintönig und eigenartig zu Beginn. Und dann doch so voll und reich an Hilfe für das neue Jahr und allezeit – das Wort und das Bild. Und vielleicht ja doch genau richtig, bei all dem Unfrieden in der Welt. Bei allem Unfrieden gerade auch in unserem Land, in unserer Gesellschaft. Angesichts aller Verrohung schon in unserem Reden. Ist die Jahreslosung nicht eine „deutsche Erfindung“? Zielt sie damit nicht besonders auf uns ab? Suche Frieden und jage ihm nach. Suche Christus und jage IHM nach. Vielleicht gerade jetzt absolut passend, darauf konzentriert den Focus zu legen. Vielleicht doch nicht so eigenartig nebensächlich dieser Rat, wenn ich bedenke, dass gerade diese Worte auch im Neuen Testament noch einmal breit aufgenommen und der christlichen Gemeinde ans Herz gelegt werden (vergleiche 1. Petrusbrief, Kapitel 3, Vers 8ff). Ja, es ist passend, (ge)wichtig und klug, sich dieses Wort zu Herzen zu nehmen. Und dabei zugleich die Jahreslosung nicht als drängelnde Parole zu missbrauchen, sondern ihr ganz unaufgeregt einfach zu folgen. Sie endet ja schließlich mit einem Punkt und nicht mit einem Ausrufezeichen.

Zum Schluss mache ich ein Experiment, weil ich die ganze Zeit den angedeuteten Regenbogen im Kreis sehe, der aber seltsam verkehrt herumhängt. Ich lege deshalb das Bild vor mir auf den Tisch und drehe es um 180 Grad, stelle es also auf den Kopf. So sehe ich es nochmal ganz anders:

Der Bogen hängt am Himmel. Gott hat seinen Frieden schon lange verheißen und versprochen. Ich darf unter seinem Schirm und Schutz leben. Seine Hände behüten und segnen mich. Von ihm her kommt das Licht, das alle Finsternis vertreibt. Aus des Vaters Schoß kam das Leben und der Frieden (vergleiche Johannes 1, 18) in Jesus Christus, seinem Sohn. Und ER will zu mir. Der Himmel kommt in meine Wirklichkeit. Jesu Kreuz zielt auf mich. Der Frieden, den ER bringt, soll mein Friede werden. SEIN Kreuz wird mir zum Leitstern auf meinem Weg, zum Licht auf meinem Pfad.

Suche Frieden und jage ihm nach. Das will ich persönlich nehmen. Das soll meine Jahreslosung sein – aus der Großes erwachsen möge, kann, soll, wird – für viele, in Christus. Gott schenke es!

 

(Bildbetrachtung von Pastor Helge Dittmer aus Kiel,
Quelle: www.GemeindebriefHelfer.de)


Diese Bildbetrachtung darf für kirchliche Zwecke und zum Abdruck in Ihrem Gemeindebrief unter Angabe der Quelle verwendet werden.

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Jahreslosung 2019_Bildbetrachtung

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